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Giulia Steingruber

Giulia Steingruber im Mehrkampffinal

Ein Sturz beim neuen zweiten Sprung weckte Giulia Steingruber aus ihrem olympischen Medaillentraum. Immerhin qualifizierte sich die Ostschweizerin für den Mehrkampffinal.

Irgendwie musste der Frust entladen werden. Giulia Steingruber schlug mit den Handflächen zweimal auf die Oberschenkel, schüttelte kurz den Kopf, verzog das Gesicht zur sauren Miene. Das musste reichen. Die 18-jährige Ostschweizerin brachte die grosse Enttäuschung gegen aussen so gut unter Kontrolle, dass es eine Leistung war. Sekunden zuvor war Steingruber bei ihrem zweiten Sprung gestürzt, der Vorstoss in den Gerätefinal der besten acht dadurch in weite Ferne gerückt. Stunden später, nach dem Auftritt von Europameisterin Sandra Izbasa, stand das Aus fest.

Die Bruchlandung hatte sich für Steingruber schon in der Luft angekündigt. «Ich erschrak ein bisschen, als die Matten so früh näher kamen», sagte sie. Die Olympia-Debütantin hatte ihren zweiten Sprung neben dem Tschussowitina, der ihr auch nicht besser als einigermassen gut gelang, im Hinblick auf die Olympischen Spiele um eine zweite Schraube erschwert. Die Wettkampfpremiere misslang gründlich. Die Strategie, schon in der Qualifikation aufs Ganze zu gehen, wurde nicht belohnt.

«Eigentlich kann ich es ja»

Cheftrainer Zoltan Jordanov hatten die Beobachtungen der Trainings in seiner Überzeugung bestärkt, die einfachere Variante mit einer Schraube würde wegen des um 0,8 Punkte tieferen Schwierigkeitswerts nicht für den Finaleinzug genügen. Und Steingruber hatte im Training, auch im einzigen in der Wettkampfhalle am Donnerstag, bewiesen, dass sie ihren neuen Sprung kann. Doch Steingruber fehlte beim Olympia-Debüt noch die Coolness. «Klar versucht man sich einzureden, es sei ein Wettkampf wie jeder andere. Aber im Hinterkopf denkt man trotzdem: Hey, Olympische Spiele gibt‘s nur alle vier Jahre», sagte Steingruber.

Als Ausrede wollte sie die angesprochene Nervosität aber keineswegs gelten lassen. Steingruber bereute auch keinen Moment, die riskante Premiere gewagt zu haben: «Eigentlich kann ich es ja. Und mit einer Schraube wäre es knapp geworden.»